Gesunde Gemeinde

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Kommunale Gesundheitsförderung in Dorf und Stadt

„Gesundheit fördern, wo Gesundheit passiert“ – so lautet ein Claim der „Gesunde Gemeinde“- Initiativen des Bundes und der österreichischen Bundesländer. 10 Gesundheitsziele wurden definiert, um die Gesundheit und Lebensqualität der Menschen in Ihren Wohn- und Arbeitsorten nachhaltig steigern. Aber wie funktioniert „Gesundheit fördern“, wo Gesundheit nicht passiert? Dies ist keine Wortspielerei. Es gibt wichtige Themen, die in den Initiativen nicht zu finden sind. Einige davon möchte ich in diesem Blog besprechen.

Lebens- und Arbeitsbedingungen müssen so gestaltet sein, … dass sie gesundheitsförderlich sind.“ (Gesundheitsziele Österreich).

Das Gesundheitsministerium koordiniert und das Forum Gesundheit Österreich fördert Programme zur kommunalen Gesundheitsförderung auf Basis von Public Health der WHO und des Programmes Gesundes Österreich. Jede Gemeinde kann nach Gemeinderatsbeschluss und Gründung eines Teams Projekte in ihrem Bundesland beantragen.

Wenn man sich die Projekte aus den Programmen Gesunde Gemeinde, Gesundes Dorf, Gesunde Stadt, Gesunde Region genauer ansieht, handelt es sich zumeist um Projekte zu den Themen Bewegung und Ernährung. Das ist gut, denn wir können zunehmend mehr davon gebrauchen. Aber darüber hinaus gibt es noch weitere Gesundheitsthemen, die selten bis gar nicht beachtet werden.

Die 10 Gesundheitsziele

Gesundheitsziel 1
Gemeinsam gesundheitsförderliche Lebens- und Arbeitsbedingungen schaffen

Ziel 1 fordert, Rahmenbedingungen zu schaffen, um die Gesundheit zu fördern und Gesundheits­informationen zu verbreiten. Öffentliche, schulische und betriebliche Lebensräume werden dabei als wichtige Anknüpfungspunkte genannt.

Nicht genannt werden eine kritische Lage von Gebäuden an Freileitungen und Bahnanlagen, kritische Radonwerte in den Gebäuden, eine Bauweise mit erdmagnetfeld-verändernden Stahlbeton, Felder von Strom und Funk in öffentlichen Räumen, die Verwendung problematischer Baustoffe und Materialien, Trinkwasser aus kontaminierten Böden und vieles mehr.

Über jeden dieser und weiterer Punkt könnte ein eigener Blog geschrieben werden. Und das mache ich auch. Denn es ist beschämend, wenn man sich die Beispiele für gesundheitsförderliche Strukturen der teilnehmenden Bundesländer vor Augen führt.

Gesundheitsziel 2:
Gesundheitliche Chancengerechtigkeit für alle Menschen in Österreich sicherstellen

Es wird geschätzt, dass etwa 13-14% der Menschen in Europa an umweltbedingten Belastungen leiden (Spiegel Wissenschaft 13.06.2007). Die wichtigsten sind EHS (Elektro-Hypersensitivität), MCS (Multiple Chemikalien-Sensitivität), CFS (Chronisches Müdigkeits-/Fatigue-Syndrom) und SBS (Sick Building Syndrom). Betroffene werden immer noch ins psychosomatische Eck gesteckt. Sie brauchen ein spezielles Bauen und Wohnen!

Gesundheitsziel 3:
Gesundheitskompetenz der Bevölkerung stärken

Verbraucherorganisationen, wie Diagnose Funk, und Baubiologischen Institute und Verbände, bemühen sich täglich, aufzuklären und zu beraten. Es ist bedauernswert, dass öffentliche Institute und Einrichtungen selten darauf zurückgreifen. Dabei sollten Gesundheits­informationen verbreitet werden, so im Gesundheitsziel 1.

Gesundheitsziel 4:
Luft, Wasser, Boden und alle Lebensräume für künftige Generationen sichern

Wir nennen es Umweltverschmutzung, wenn durch physikalische und chemische Einträge Luft, Wasser und Boden durch den Menschen belastet werden. Der Mensch belastet dabei nicht nur seinen Lebensraum, sondern auch seine eigene Gesundheit und Lebensgrundlage. Und das passiert nicht irgendwo, sondern vor unserer Haustür. Wir könnten auf kommunaler Ebene viel dagegen tun!

Sauberes Grundwasser wird durch chemische Einträge belastet, die Förderung von Tiefenwasser zunehmend als (fataler) Ausweg gesehen. Die Luftverschmutzung findet nicht nur im Freien, sondern vor allem in Innenräumen statt. Nicht umsonst sprechen wir von der Indoor Generation. Saubere Energie ist vor allem erneuerbare Energie, deren Entwicklung massiv behindert wird. Und schließlich der massive Landverbrauch und die Zersiedelung der Landschaft.

Gesundheitsziel 5:
Durch sozialen Zusammenhalt die Gesundheit stärken

Der soziale Zusammenhalt fängt im Dorf bzw. der Siedlung an. Zweimal problematisch: Die Dörfer sterben aus und die Siedlungen unterstützen keinen sozialen Zusammenhalt. Sie sind meist Schlaf­siedlungen. Ich weiß, es gibt positive Beispiele. Aber diese zu bemühen ist schon selbsterklärend. Ein Grund, warum die Menschen in Siedlungen nicht zueinander finden, ist die fehlende Infra­struktur für Begegnung. Dazu gehört vor allem eine Mitte, die an der richtigen Stelle und wirksam gestaltet ist.

Gesundheitsziel 6:
Gesundes Aufwachsen für Kinder und Jugendliche bestmöglich gestalten

Was gehört zu einem gesunden Aufwachsen für Kinder und Jugendliche? Meist findet man Ernährung und Bewegung in den Initiativen. Dabei sind die Baulichkeiten, die Innen- und Außenräume von Kinderzimmern, Krabbelstuben, Kindergärten und Schulen suboptimal gesundheitsfördernd. Eine baubiologische Analyse der Gebäude würde manche Überraschung zu Tage bringen.

Gesundheitsziel 7:
Gesunde Ernährung für alle zugänglich machen

Ich bin sehr für bio und eco, für Gütesiegel und Kennzeichnungspflichten für Lebensmittel. Das Thema ist noch lange nicht ausgereizt, besonders was die Inhaltsstoffe betrifft. Gleiches würde ich mir für Baustoffe und Materialien wünschen. Deren Inhaltsstoffe gelangen über Atmung und Haut ebenso in unseren Organismus und belasten unsere Gesundheit.

Gesundheitsziel 8:
Gesunde und sichere Bewegung im Alltag fördern

Seit 2004 forscht Prof. Dr. Qing Li in Japan an den Gesundheitswirkungen des Waldes, ab 2012 publizierte er seine Forschungsergebnisse. 2016/17 wurde die erste österreichische Studie in Mühlviertel, OÖ durchgeführt. Das sogenannte Waldbaden mit einem Waldaufenthalt von ca. 4 Stunden pro Woche ist nicht nur gesundheitlich relevant, sondern auch eine wirksame Kompensation für viele umweltbedingte Belastungen.

Gesundheitsziel 9:
Psychosoziale Gesundheit fördern

Lebens- und Arbeitsbedingungen sollen im Ziel 9 so gestaltet werden, dass sie die psychosoziale Gesundheit in allen Lebensphasen fördern. Architektur- und Wohnpsychologie sind wissenschaftliche Disziplinen, die sich damit beschäftigen. Dennoch wird ein Zusammenhang von Belastungen mit Burn Out ebenso ignoriert, wie SBS (Sick Building Syndrom).

Gesundheitsziel 10:
Qualitativ hochstehende und leistbare Gesundheitsversorgung für alle sicherstellen

Keine Themen

fehlendes Gesundheitsziel 11:
Nachhaltige Städte und Gemeinden

sind in der Agenda 2030 als SDG 11 genannt. Und dennoch sterben Dörfer und verkümmern Stadtteile. Wichtige Maßnahmen sind eine Verbesserung des Flusses der Lebensenergie, die Bewahrung der Frischluftschneisen und Grün in der Stadt sowie vor und hinter Betrieben, gesunde Luft und atmender Boden, barrierefreies Bauen und die Würdigung der Arbeit unserer Ahnen.

Diese Aufzählung ist nicht vollständig und ich werde mich bemühen, zu jedem dieser Punkte einen erklärenden Blog zu schreiben. Vielleicht gelingt es ja, daß sich der eine oder andere Entscheidungsträger ernsthaft mit diesen Themen auseinandersetzt.

Die Baubiologie

Oft wird der Baubiologie vorgeworfen, sie sei rückwärtsgewandt. Das Gegenteil ist der Fall. Es gilt nicht, sich gegen technologische Entwicklungen zu stellen, sondern zu lernen, sie schonend einzusetzen und belastungsarm damit zu leben. Maßnahmen für Gesundheit und Wohlbefinden müssen Schritt halten mit umweltbedingten Belastungen. Die Baubiologie kann das Wissen dazu vermitteln.

Leitlinien der Baubiologie

Ziel aller baubiologischen Aktivitäten ist es, ein Wohn- und Arbeitsumfeld zu schaffen, in dem Menschen gesund bleiben und sich hinsichtlich Raumklima und Ästhetik wohlfühlen. Zudem sollte es bestmöglich ökologische Anforderungen erfüllen, ein gutes Zusammenleben ermöglichen und bezahlbar sein. In den 25 Leitlinien der Baubiologie sind die wichtigsten Aspekte zusammengefasst.

Zum Nachlesen:

https://baubiologie.de/wissen/25-leitlinien-der-baubiologie

https://fgoe.org/Schwerpunkte_nach_Lebenswelten

https://www.gesundheit.gv.at/gesundheitsleistungen/gesundheitsfoerderung/gesundheitsziele.html


Über den Autor:

DORFIMPULSE
Mag. Wolfgang Strasser
Lebensraum- und Unternehmensberater

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